Zimmergärtnern leicht gemacht

Pflanzen – Mit der ausklingenden Gartensaison haben Zimmerpflanzen wieder Hochkonjunktur. Unabhängig von der Jahreszeit grünt drinnen alles, ob es nun klettert, herabhängt, in die Breite oder nach oben wächst. Was gedeiht wo am besten, und wie lassen sich lichtarme «Problemzonen» im Haus- und Wohnungsinnern begrünen?

Farn-Jungpflanzen

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Einblatt (Spathiphyllum)

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Pflanzen im Badezimmer

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Indoor, so sagen die Trendscouts, ist das neue Outdoor. Wo früher der Gummibaum zwischen Sitzmöbeln ein einsames Dasein fristete, beleben heute die Ranken des «Urban Jungles» Bücherwände, Küchenregale und Sideboards. Dank ihres exotischen Äusseren tragen sukkulente Trendpflanzen, Orchideen oder Pfeilblätter (Alocasia) den Duft der weiten Welt in die heimischen vier Wände.

Mikrokosmos unter Dach

Fast jeder Wohnraum ähnelt einem Mikrokosmos mit speziellen Licht- und Temperaturbedingungen. Für Indoorgärtner sind das gute Nachrichten, denn während die eine Pflanze es eher trocken und kühl mag, liebt es die andere feucht und warm. Ein Raum, der durch Heizung, Schwedenofen und Sonnenlicht besonders erwärmt wird, ist das Wohnzimmer. Oft besitzt dieses eine grosse, helle Fensterfront. Unter solchen Bedingungen fühlen sich deckenhohe Zimmerbäume wie Ficus- und Dracaena-Arten (Feigenund Drachenbäume), der palmenähnliche Elefantenfuss (Beaucarnea ecurvata) oder die stattliche Strahlenaralie (Schefflera) pudelwohl. Gruppiert mit artgleichen Pflanzen in verschieden grossen Töpfen oder im bunten Durcheinander mit anderen Gattungen wirken sie besonders ausdrucksstark. Auch begrünte Wände, Ampeln mit herabrankenden Efeututen (Epipremnum aureum) oder Efeu-Vorhänge beleben das Gesamtbild. 

Zum Winterbeginn hin lassen sich grosse Wohnräume mit für die Jahreszeit typischen Pflanzen schmücken, zum Beispiel mit eleganten Amaryllisgewächsen oder einem festlichen Weihnachtsstern (Poinsettia).

Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche

Im weniger sonnigen, mässig temperierten Schlafzimmer finden Pflanzen wie Schusterpalmen (Aspidistra), Bogenhanf (Sansevieria) oder Einblatt (Spathiphyllum) ihren Platz. Hier sind Pflanzen mit duftenden Blüten weniger erwünscht, da ihr Geruch Kopfschmerzen verursachen kann. Für das Kinderzimmer gilt vor allem bei der Birkenfeige (Ficus benjamina): Finger weg! Zwar ist auch sie ein toller Luftfilter, doch ihr Saft ist giftig und kann zu Haureizungen oder allergischen Reaktionen führen. Wer empfindlich ist und zu Allergien neigt, sollte daher besser auf die Birkenfeige verzichten.

Die Küche ist meist zu klein für überhängende Solitäre oder andere grosse Pflanzen. Hier wird besser kleinformatig gegärtnert, zum Beispiel mit ausdrucksstarken Sukkulenten wie Haworthien, Zwergpfeffer (Peperomia) und Aloe, oder – in Küchen mit weniger grellem Sonnenlicht – mit jungen Farnen.

Badezimmer-Dschungel

Ein Spezialfall ist das Badezimmer. Hier sind Wärme und Luftfeuchte besonders hoch; oft verdecken blickdichte Milchglasscheiben die Fenster. Ähnliche Bedingungen – dumpfes Licht, hohe Temperaturen bei hoher Luftfeuchtigkeit – herrschen auch unter dem Blätterdach der tropischen Regenwälder. Hier wie dort fühlen sich Orchideen, Bromelien oder Farne wohl. Selbst für Badezimmer ohne Fenster gibt es eine Lösung: Künstliche Lichtquellen können den fehlenden Sonnenschein ersetzen. Mittlerweile sind kleine, mobile Gewächshäuser mit LED-Einsatz oder Lampenschirmähnliche Leuchten erhältlich, deren Teleskopstab direkt in den Pflanztopf gesteckt wird. Mit solchen technischen Finessen lassen sich sogar in der dunklen Jahreszeit und in Räumen ohne Tageslicht Pflanzen ziehen.

Kreativschub mit Sansevieria

Grünpflanzen sind nicht nur schön anzuschauen. Diverse Studien – eine davon hat die NASA unter dem Namen «Study of Interior Landscape Plants for Indoor Air Pollution Abatement» bereits im Jahr 1989 durchgeführt – belegen, dass Körper und Geist durch Zimmerpflanzen aufleben. Grünes im Wohn- und Arbeitsumfeld steigert sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Kreativität und reduziert gleichzeitig Spannungszustände. Zimmerpflanzen spenden Sauerstoff, binden Feinstaub, filtern Schadstoffe und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Viele nehmen auch nachts Kohlendioxid auf und sorgen so stetig für frische Luft. Ein Beispiel ist der Bogenhanf (Sansevieria), der dank seiner öligen Blattoberfläche auch trockenere Luft verträgt. Da er ausserdem duftneutral ist, eignet er sich auch fürs Schlafzimmer.