Häufige Fehler beim Testament und Nachlass

Letzter Wille – Falsche Formulierungen können Ihre Absichten zunichte machen.

Testament

BILD FOX17 ⁄ FOTOLIA

Zu oft erreichen Erblasser mit ihrem letzten Willen nicht das, was sie eigentlich beabsichtigt haben. Die folgenden Fehler sind besonders verbreitet.

Notarielle Urkunden gelten mehr als handgeschriebene
Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, ein so wichtiges Dokument wie das Testament müsse offiziell aussehen und deshalb öffentlich beurkundet werden. Auch wenn das gesamte Testament von Hand niedergeschrieben und unterzeichnet wurde, ist es wirksam. Am besten lässt man es aber von einer Fachperson auf Form und Inhalt prüfen. Darüber hinaus sollte das Testament an einem sicheren Ort oder bei einer zuverlässigen Stelle hinterlegt werden, damit es im Todesfall auch gefunden und eröffnet wird.

Nach dem Tod des Ehepartners erbt der andere automatisch alles
Viele denken, die Kinder würden erst nach dem Tod des zweiten Partners erben. Fakt ist: Ohne Testament erben der hinterbliebene Partner und die Kinder je die Hälfte des Nachlasses. Gerade für Ehepaare, die zusammen ein Eigenheim besitzen, ist es deshalb besonders wichtig, sich gegenseitig finanziell abzusichern. Ohne Vorkehrungen ist der überlebende Partner möglicherweise gezwungen, das Eigenheim zu verkaufen, weil er die gesetzlichen Erben des Verstorbenen nicht auszahlen kann. Wenn ein Einkommen wegfällt, sind unter Umständen auch die Anforderungen der Bank an die Tragbarkeit der Hypothek nicht mehr erfüllt.

Ehepaare können ein gemeinsames Testament aufsetzen
Im schweizerischen Erbrecht ist die Form des gemeinschaftlichen Testaments nicht vorgesehen. Ein solches ist deshalb ungültig. Jeder Ehepartner muss für sich ein Testament aufsetzen.

Jeder kann bestimmen, wer wie viel erbt
Das stimmt grundsätzlich. Der Verfasser eines Testaments kann zum Beispiel anordnen, dass neben den gesetzlichen Erben auch andere Personen einen Anteil am Erbe erhalten sollen. Als Erben kann man neben Personen auch Institutionen (Stiftungen, Vereine, politische Organisationen
usw.) einsetzen. Zudem darf der Erblasser darüber bestimmen, ob ein gesetzlicher Erbe eine höhere oder niedrigere Quote am Nachlass erhalten soll, als es das Gesetz vorsieht. In jedem Fall dürfen aber Pflichtteile nicht verletzt werden.

Wer will, kann seine Familie vollständig enterben
Enterben ist leichter gesagt, als getan. Grundsätzlich können nur pflichtteilgeschützte Erben enterbt werden. Will heissen: Bei einer Enterbung wird einem Erben sein Pflichtteil entzogen. Dies ist aber nur möglich, wenn ein Enterbungsgrund gegeben ist. Gesetzliche Erben ohne Pflichtteilsanspruch hingegen können ohne Begründung von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Dazu braucht es lediglich ein Testament.

Wer vor seinem Tod alles verschenkt, verhindert Streit
Viele Eltern möchten ihren Kindern schon zu Lebzeiten einen Teil ihres Vermögens übertragen. Erbvorbezüge, Schenkungen oder Darlehen sind für die Begünstigten eine schöne Sache, aber leider auch oft Grund für spätere Erbstreitigkeiten – vor allem dann, wenn bei diesen sogenannten lebzeitigen Zuwendungen keine klare oder überhaupt gar keine Abmachung getroffen wurde. Denn nach dem Tod müssen die Zuwendungen ausgeglichen werden. Erbvorbezüge sollten deshalb immer schriftlich festgehalten werden. Gleichzeitig sollte man festhalten, ob die lebzeitige Zuwendung bei der Erbteilung ausgeglichen werden muss oder nicht. Wichtig: Lebzeitige Zuwendungen werden bei der Berechnung der Pflichtteile berücksichtigt.

Niemand kann gegen seinen Willen fremde Schulden erben
Wer erbt, erbt nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden des Verstorbenen. Wer unsicher ist oder keine Kenntnis über die persönlichen Finanzen des Verstorbenen hat, kann ein öffentliches Inventar verlangen. Dann werden die Aktiven und Passiven des Vermögens des Verstorbenen von Amtes wegen aufgelistet. Wenn die Schulden höher ausfallen als die Aktiven, ist die Erbschaft ein Verlustgeschäft. In solchen Fällen lohnt es sich, die Erbschaft auszuschlagen. Die Ausschlagung muss innert dreier Monate seit Kenntnis des Todes des Erblassers oder seit Vorliegen des öffentlichen Inventars erklärt werden.