Abklären, abschrecken und aufrüsten

Erfolgreicher Einbruchschutz – Mechanische Vorrichtungen, ergänzt durch elektronische und organisatorische Schutzmassnahmen, gehören zu jedem ganzheitlichen Einbruchschutz-Konzept. Doch bevor es an die Umsetzung geht, ist die Aufnahme sicherheitsrelevanter Daten unabdingbar.

Einbruchschutz

BILD MEDIATOP

Die Sommerferien nahen und damit die Zeit längerer Reisen, in denen das eigene Zuhause unbewohnt zurückbleibt. Gelegenheit macht bekanntlich Diebe, also spielt das Unterwegssein perfekt in die Hände von Einbrechern. Die Statistiken hierzu sprechen eine klare Sprache: Die meisten Einbrüche in der Schweiz werden am helllichten Tag und in Abwesenheit der Bewohner verübt. Beim Einbruchschutz geht es daher oft um Abschreckung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eindringlinge ein Objekt überhaupt erst ins Auge fassen, sinkt beträchtlich, wenn Einbruchschutzmassnahmen bereits von aussen gut erkennbar sind. Bevor man also das Haus oder die Wohnung verlässt, gilt es, darauf zu achten, dass alle Türen und Fenster verschlossen sind. Schräggestellte Fenster beispielsweise gelten versicherungstechnisch als offene Fenster. Und natürlich lohnt es sich auch, gute nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen, so dass man die Nachbarn bitten kann, ein wachsames Auge auf das vorübergehend leerstehende Objekt zu haben. Im besten Fall sollte man jedoch keine allzu offensichtlichen Hinweise für Abwesenheiten liefern.

Was aber, wenn die Täter sich trotzdem entschliessen zuzuschlagen? Wie kann man seine Besitztümer mit emotionalen Werten sowie Sachwerte am wirksamsten schützen? Welche technischen Innovationen stehen dem Hauseigentümer zur Verfügung? «Technische Innovationen gibt es im Bereich Einbruchschutz laufend. So produziert heute beispielsweise jeder Schlossfabrikant Schlösser mit mehreren Verriegelungspunkten, und diese können praktisch alle ausnahmslos mechanisch und elektronisch betätigt werden », sagt Urs Brönnimann vom Zentrum für Einbruchschutz in Bern. Die Qualität der einzelnen Schlösser ist jedoch laut Brönnimann sehr unterschiedlich. Wer nachrüsten wolle, müsse dies über eine vertrauenswürdige Firma ausführen lassen. «Denn beim Einbruchschutz geht es in höchster Priorität um den Personenschutz. Wer möchte schon einem
Einbrecher in die Augen sehen?», gibt der Berner Experte zu bedenken.

Türen und Fenster als Erstes verstärken

Die Massnahmen zum Einbruchschutz werden im Allgemeinen hierarchisch unterteilt in mechanische, elektronische und organisatorische Massnahmen. Dabei kommt dem mechanischen Schutz die oberste Priorität zu. An erster Stelle müssen Türen gesichert werden. Denn gemäss Schweizer Statistiken ist die Tür das häufigste Angriffsziel von Einbrechern. Beim Mehrfamilienhaus empfiehlt Brönnimann, den bei der Hauseingangstüre verbauten Elektrotüröffner durch ein motorgetriebenes Schloss oder durch eine Mediator-Türsicherung zu ersetzen. Wichtig sei dabei, dass die Türe beim Schliessen automatisch mit einem Schliessriegel verschlossen werde. Der Türrahmen sollte laut Brönnimann massiv mit dem Mauerwerk verschraubt und so konstruiert sein, dass ein Eingriff von aussen zwischen Türblatt und Rahmen nicht möglich ist. An zweiter Stelle in der Schutzhierarchie rangieren die Fenster. Die meisten davon können in der Schweiz innert 30 Sekunden aufgebrochen werden, sei es mit dem Schraubenzieher oder dem Geissfuss. Daher muss beim Fenster der Fokus auf den Verschluss gelegt werden. Einbruchhemmende Beschläge mit Pilzkopfzapfen bieten hier eine gute Lösung, die mit zusätzlichen Vorkehrungen wie dem Anbringen einer Sicherheitsfolie auf die Verglasung ergänzt werden können. Sind Türen und Fenster gut gesichert, kann auch weiteren potenziellen Schwachstellen wie Dachluken Aufmerksamkeit geschenkt werden. Weitere punktuelle Massnahmen wie das Installieren einer Video- Überwachung oder von Lichtreglern stuft Brönnimann als «nice to have» ein. Ohne ausreichende mechanische Schutzvorkehrungen bleiben sie aber auf Dauer wirkungslos.

Datenerfassung ist das A und O

Für welche Massnahmen sich ein Hauseigentümer entscheidet, wird oft von Faktoren wie Preis und monetärer Wert der zu schützenden Sachen bestimmt. Brönnimann betont jedoch einen Aspekt, der nicht selten vernachlässigt wird: Die Basis eines guten Einbruchsicherheitskonzeptes bilden Messungen bzw. das Erfassen sicherheitsrelevanter Daten.

«Aus unserer mehr als 45-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet Einbruchschutz wissen wir, dass die stetige Innovation nicht der wichtigste Teil ist. Wichtiger ist die Datenaufnahme und Auswertung dieser Daten», erklärt er. Damit gemeint sind insbesondere Parameter wie die Beschaffenheit der Verglasung sowie der Verschlüsse der Fenster und Türen. «Erst wenn wir diese Daten und die Bedürfnisse des Kunden kennen, können wir ein nachhaltiges, individuelles Sicherheitskonzept erarbeiten.» Bezüglich der Kosten lässt sich kaum eine pauschale Aussage treffen, genauso wenig wie sich der Preis eines Autos im Allgemeinen angeben lässt, ohne zuvor die Ansprüche an Leistungsfähigkeit und Ausstattung abzuklären. Brönnimann kann aber aufgrund seiner Erfahrung den Aufwand für Datenaufnahmen, Auswertung, Beurteilung und die Umsetzung für ein bestehendes Einfamilienhaus mit circa 6000 bis 8000 Franken beziffern. Die Investition zahle sich langfristig aus. Denn analog der Wichtigkeit statischer Robustheit als Schutz vor Erdbebenschäden gilt für Brönnimann auch in Sachen Einbruchschutz: «Ein Haus ohne nachhaltiges, individuelles Sicherheitskonzept hält Einbrecher auf die Dauer nicht fern.»